Natur des Jahres 2024

 

                                         Vogel des Jahres: der Kiebitz

 

 

                             

 

Der Kiebitz (Vanellus vanellus) aus der Familie der Regenpfeiffer ist ein etwa taubengroßer Vogel, auffällig schwarz-weiss gefärbt mit typischer Kopfhaube. Er ist ein Charaktervogel offener Grünlandgebiete und besiedelt gerne baumfreie feuchte Flächen, selbst Äcker und Viehweiden. Ein geselliger Vogel, der große Schwärme und Brutkolonien bilden kann, aber in Deutschland heute stark gefährdet ist. Die Population ist von 1980 bis 2016 um 93 Prozent zurückgegangen. Entwässerungen und intensive Landwirtschaft sind für den Bodenbrüter fatal. Schon 1996 wurde der Kiebitz als Vogel des Jahres auserwählt, um auf seine Gefährdung hinzuweisen. Das hatte leider keinen Erfolg, auch im Zabergäu wurde 2001 der letzte Bruterfolg dieses früher häufigen Vogels nachgewiesen. In Klunzingers Oberamtsbeschreibung von 1840 ist der Kiebitz noch mit vielen anderen heute bei uns verschwundenen Arten erwähnt. Den typischen Ruf „kie-wit“ und auffälligen Gauklerflug konnten Vogelschützer noch vor dreißig Jahren im Rheintal in der Umgebung des "NSG Waghäusl" bei Exkursionen beobachten.

 

Die Nahrung des Kiebitzes besteht aus Insekten und deren Larven, Würmern, kleinen Schnecken und vor allem Sämereienk. Das Nest ist eine flache Bodenmulde, mit wenig Material ausgekleidet, leider offen für viele Feinde leicht zu plündern. Die Eier waren früher auch für Menschen eine Delikatesse. Die Küken sind Nestflüchter, werden aber von den Eltern noch behütet und verteidigt. Brutzeit ist April und Mai. Kiebitze sind sogenannte Teilzieher und überwintern bei milder Witterung an den Küsten in Deutschland, sonst in Spanien, Frankreich, England und Niederlande.

 

Lokale Schutzprojekte vor allem in Nord-Deutschland versuchen den Bestand zu erhalten und feuchte Flächen als Lebensräume anzulegen. Eine AG Kiebitzschutz im NABU unterstützt bundesweit Maßnahmen zum Erhalt der Vogelart.

 

 

                                              

 

                                                                     Gaukler der Lüfte

Bilder: NABU     Text: Volker Dühring

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                                                                   Wildtier des Jahres: der Igel

Igel gehören erdgeschichtlich zu den ältesten noch existierenden Säugetierarten, es gibt sie in der heutigen Form seit rund 15 Millionen Jahren! Sie waren Zeitgenossen des Mammuts und die Alpen waren erst am Anfang der Auffaltung. Der bei uns vorkommende Braunbrust-Igel (Erinaceus europaeus) gehört zur Ordnung der Insektenfresser wie Maulwürfe und Spitzmäuse. Der nächste Verwandte ist der Weißbrust-Igel

(Erinaceus roumanicus), der in Osteuropa und Österreich zu finden ist.

 

Erwachsene Tiere erreichen eine Körperlänge von 24 bis 28cm bei einem Gewicht von 800 bis 1500 Gramm. Männchen sind in der Regel die Schwergewichte. Die Lebenserwartung kann bis 8 Jahre reichen, aber im Durchschnitt sind es nur 2 bis 4 Jahre. Viele sterben im Straßenverkehr, die schlimmsten Feinde sind Dachs und Uhu, zudem Fuchs, Iltis und Marder. Zur Abwehr von Fressfeinden haben die Igel rund 8000 2-3cm lange Stacheln, dazu ein Gebiss mit 36 spitzen Zähnen, die leicht die Chitinpanzer von Insekten wie Käfer knacken. Igel leben als Einzelgänger und sind überwiegend nachtaktiv. Nur im Herbst streifen sie auch tagsüber umher, auf Nahrungssuche, um Gewichtsreserve für den Winterschlaf anzulegen. Als Nahrung dienen Käfer, Larven von Nachtschmetterlingen und anderen Insekten, Regenwürmer, Spinnen, Tausendfüßler. Schnecken wegen des Schleims nicht so gerne, aber Frösche und Mäuse, sogar Schlangen. Daher der Name als „Schlangenfresser“ im Altdeutschen! Igel sind also keine Vegetarier, sie fressen kein Obst oder Gemüse. Daher keine Milch, Nüsse, Obst, Brot oder geleeartiges Katzenfutter im Garten zufüttern, es schadet nur! Zur Nahrungssuche haben Igel einen hervorragenden Geruchssinn, gutes Gehör und Tastsinn, schwach ist das Sehvermögen. Die Paarungszeit liegt zwischen April und Ende August, bei der Werbung geben Männchen laute schnaubende Geräusche von sich. Sie werden oft nachts im Garten oder auf der Terrasse als Einbrecher verdächtigt! Nach einer Tragezeit von 35 Tagen kommen meist nur einmal im Jahr vier bis sieben blinde und taube Junge zur Welt. Diese werden sechs Wochen lang gesäugt, verlassen aber schon im Alter von drei bis vier Wochen das Nest auf Nahrungssuche. Das Männchen hat mit der Aufzucht der Jungen nichts zu tun. In den Wintermonaten kommen Igel durch einen Winterschlaf bis sechs Monate ohne Nahrung aus. Die Körperfunktionen werden auf ein Minimum herabgesetzt, 20 bis 30% des Körpergewichtes gehen verloren. Die Herztätigkeit verringert sich in der Zeit von ca. 180 Schlägen pro Minute auf 8 Schläge, die Atmung von 40- bis 50mal pro Minute auf 3- bis 4-mal! Die Körpertemperatur sinkt von etwa 36 Grad bis 5 Grad ab!

 

Was kann ich für diese Tiere tun:

 

Da in der Feldflur oder Waldrand immer weniger Lebensraum und Nahrung für den Igel vorhanden ist, falls möglich, im Garten Quartiere anbieten mit ruhigen etwas unordentlichen Zonen an und im Gebüsch, Heckenränder nicht mähen, nachts keine Mähroboter laufen lassen, Kellerschächte abdecken, flache Ufer an Gartenteichen anlegen, am Gartenzaun unten durchlässige Stellen anbieten, es gibt viele Möglichkeiten. Igelkorb oder Igelhaus an trockener Stelle im Gebüsch anbieten, Boden mit Holzhäckselgut abdecken, innen Stroh, oben mit Ästen zudecken. Nester werden auch gerne in Hohlräumen von Garagen, Schuppen, Gartenhütten, Holzstapeln usw. angelegt, Vorsicht bei Sägearbeiten! Igel im Garten bieten schöne Erlebnisse, vor allem für Kinder! Viele Angebote und Ratschläge findet man im Internet. Junge Igel möglichst nicht vor Ende November aufnehmen, im Revier lassen, evtl. zufüttern, mit Igelfutter aus dem Zoohandel. Nur kranke oder Igel unter 300g an Igelstation bringen. Der Naturschutzverein Zaberfeld hat keine Möglichkeit zur Annahme!

 

                                                                       Text: Volker Dühring ; Bilder: privat

 

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Wildbiene des Jahres: Die Große Holzbiene

 

 

Die Große Blaue Holzbiene oder auch „Violettflügelige Holzbiene“ ( Xylocopa violacea) ist unsere größte Wildbienenart. Die Art gehört zu der Gattung der Holzbienen, innerhalb der Familie der „Echten Bienen“ (Apidae).

 

Viele kennen die blauschwarzen Bienen aus dem Urlaub in südlichen Regionenam Mittelmeer, heute sind sie weit nach Norden verbreitet. In Deutschland wurden bereits drei Arten der Holzbienen gefunden. Die blauschwarze Holzbiene ist mit ihren bläulich glänzenden Flügeln und schwarzer Körperbehaarung die häufigste und mit fast 3 cm auch die größte.Die kleine Holzbiene (Xylopa iris) wird nur bis 16mm groß. Vorkommen nur vereinzelt im Elsass und am südlichen Oberrhein. Die dritte Art ist die südliche Holzbiene (Xylopa valga), erst seit 2009 bei uns nachgewiesen und der blauen Holzbiene sehr ähnlich.

Die Holzbienen sind wärmeliebend und besiedeln gerne Streuobstwiesen mit altem Baumbestand oder auch naturnahe Gärten. Die blaue Holzbiene war lange Zeit eine Seltenheit im Südwesten Deutschlands, heute keine Rarität mehr und durch den Klimawandel bis nach Südschweden und Baltikum gewandert. Nach der Überwinterung als fertiges Insekt sieht man die Weibchen bereits ab Februar auf der Suche nach geeigneten Plätzen zur Anlage von Brutröhren in altem Holz. Im Frühjahr ist auch die Paarungszeit. Die Männchen weisen einen braunroten Ring vor der etwas abgeknickten Fühlerspitze auf, sonst kaum von den Weibchen zu unterscheiden. Die Entwicklungszeit vom Ei bis zum ausgewachsenen Tier beträgt ca. zehn Wochen. Als Solitärbiene leben die Tiere auch meist standorttreu. Das laute Brummen im Flug ist zwar Respekt einflößend, aber diese Bienen zählen zu den „sanften Riesen“. Sie sind jedoch in der Lage zu stechen. Bei der Blütensuche ist die Biene nicht wählerisch, bevorzugt werden aber pollenreiche Vertreter der Schmetterlings- und Lippenblütler. Im Garten kann man sie leicht durch blühenden Muskateller-Salbei anlocken. Gut zu beobachten in der WildkräuterWelt am Naturpark-Zentrum, dort ist auch gleich geeignetes Alt- und Totholz zu finden! Gern besuchte Blüten sind Blauregen, Platterbsen und Geißblatt.

 

Die üblichen Wildbienen-Hotels sind für die Holzbiene nicht geeignet, besser sind Blöcke oder Stämme aus hartem aber nicht morschem Altholz in sonniger Lage. Zum Schutz der Holzbienen ist der Erhalt von toten Holzstämmen als Lebensraum sehr wichtig. Übertriebener Ordnungssinn in Gärten, Parks und Streuobstwiesen schadet nur. Altes, verwittertes Holz wie z.B. Fachwerk an Gebäuden kann mit Lasuren oder Lack geschützt werden.

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Natur des Jahres 2023

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Spinne des Jahres: Der "Ammendornfinger"

Der Ammendornfinger Cheiracanthium punctorium gehört zur Familie der Dornfingerspinnen. Von dieser sind in Europa 35 Arten bekannt. Diese Spinne ist von Europa bis Zentralasien verbreitet, Lebensraum ist vor allem die Kraut- und Strauchschicht warmer, offener Flächen in wenig genutzten Wiesen. In den letzten Jahren wurde die Ausbreitung vom ursprünglichen Schwerpunkt am Mittelmeer und südlicher Oberrhein nach Norden bis ins Baltikum beobachtet. In Deutschland steht die Art aber noch auf der Roten Liste als gefährdet. Die Auszeichnung zur Spinne des Jahres erfolgte durch die Arachnologische Gesellschaft in Wien, eine Gemeinschaft von 84 Arachnologen (Experten für Spinnen) aus 27 europäischen Ländern. Man will auf die Art aufmerksam machen, da sie ab und zu mit Bissfällen in Verbindung gebracht wird und als medizinisch relevant angesehen wird. Der Ammendornfinger ist die einzige heimische Spinne, die in der Lage ist, die menschliche Haut mit ihren Kieferklauen zu durchdringen! Der Schmerz ist vergleichbar mit einem Wespenstich, es kann aber Nebenwirkungen wie Rötung, Übelkeit, Anschwellen der Stelle und leichtes Fieber auftreten. Ein Fall vor Jahren in Zaberfeld ist mir bekannt. Arztbesuch war damals erforderlich. Allergiker reagieren heftig. Diese Spinnen bauen kein Netz, sie überfallen ihre Beute (Insekten, sogar Heuschrecken) und töten diese mit einem Giftbiss. Die Tiere bauen im Gras ein Nestgespinst, das aufmerksam verteidigt wird. Es ist daher nicht ratsam, die Spinnen zu fangen, sich dem Nest zu nähern oder im Haus oder Garten anzufassen! Mit einer Körperlänge von 1,5 cm zählt der Dornfinger zu den größten mitteleuropäischen Spinnen, der Vorderkörper ist einfarbig rot-orange, der Hinterleib gelblich bis olivgrün, die Beine drei bis vier Zentimeter lang. Die Brutkolonie kann über 100 Jungtiere umfassen. Diese verlassen Ende Oktober das Nest und bauen sich ein Winterquartier. Männchen und Weibchen überleben nur ein Jahr. Sie sind tagsüber sehr scheu und nur nachts aktiv.

 

Neuerdings gibt es eine invasive Art, die für den Menschen auch unangenehm werden kann:

Die "Nosferatu-Spinne", eine Jagdspinne aus Südeuropa und Nordafrika, mit bis 2cm Körperlänge und Spannweite der Beine bis 6cm. Auch hier ist der Biss schmerzhaft wie ein Wespenstich, also nicht anfassen! Leider eher in Gebäuden zu finden. Ein Fund kann online an Naturgucker oder NABU gemeldet werden.

 

Die Nosveratu-Spinne
Die Nosveratu-Spinne

                                                                       Bilder : NABU     Text: Volker Dühring

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Schmetterling des Jahres: Ampfer-Grünwidderchen

 

Männchen Grünwidderschen                                                                 Blutströpfchen

Das Ampfer-Grünwidderchen (Adscita statices) wurde vom BUND NRW zum Schmetterling des Jahres 2023 gekürt. Man will damit auf die negativen Folgen der intensiven Landwirtschaft und den Rückgang von artenreichem Grünland aufmerksam machen. Der Schmetterling gehört zur Familie der Widderchen, eine Familie von auffallend gefärbten tagaktiven Nachtfaltern. Von den Grünwidderchen gibt es einige Arten, die einander sehr ähnlich sind. Bekannter sind die schwarz-rot gefärbten Rotwidderchen oder Blutströpfchen, die ab und zu bei uns auf mageren Wiesen zu sehen sind. Die Ampfer-Grünwidderchen sind in Baden-Württemberg bereits als gefährdet eingestuft, ansonsten noch in Deutschland weit verbreitet. Lebensraum sind artenreiche wechselfeuchte Wiesen mit Sauerampfer, der im Viehfutter nicht erwünscht und daher bekämpft wird. Der Falter liebt Flockenblumen, Witwenblumen, Disteln und die Kuckucks-Lichtnelke. Die Raupen brauchen den Sauerampfer, die Gras-Landschaft verdrängt diese Pflanzen. Vorkommen gibt es auch an trockenen Dämmen, Böschungen und Magerrasen, aber dort drohen durch häufiges und unsachgemäßes Mähen oder Mulchen sowie durch Verbuschung Gefährdung. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt, metallisch grünlich bis bläulich-türkisfarben, an den Fühlern aber leicht zu unterscheiden. Die Männchen haben auffällig gefiederte Fühler, mit denen sie den Duft der Weibchen wahrnehmen. Diese Fühlerform erinnert an das Gehörn von Widdern, daher der Name der Schmetterlinge. Weibchen tragen dünne, fadenförmige Fühler. Spannweite der Flügel 25 bis 30mm, die Männchen sind etwas größer. Manche Arten der Widderchen können Blausäure produzieren, die Raupen und Schmetterlinge sind daher giftig. Die Färbung der Blutströpfchen dient also als Abschreckung für Vögel! Obwohl das Ampfer-Grünwidderchen in BW das häufigste Widderchen sein soll, liegen meines Wissens keine Fundmeldungen im Naturpark vor.

Meldungen gerne an Naturpark oder Naturschutzverein schicken!

 

Bilder "BUND" und Volker Dühring, Text Volker Dühring

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                        Insekt des Jahres 2023: Das Landkärtchen

                    Frühlingsform                                           Sommerform

Das Kuratorium des Senckenberg "Deutsches Entomologisches Instituts" wählte den Tagfalter

Araschnia levana zum Insekt des Jahres 2023 als Anzeiger für eine ökologisch intakte Kulturlandschaft. Der kleinste nicht besonders auffällige Tagfalter aus der Familie der Fleckenfalter hat eine Spannweite von drei bis vier Zentimeter und verblüfft durch seine zwei unterschiedlich gefärbten Generationen im Jahreslauf. Lange Zeit hielten manche Biologen diese für zwei verschiedene Arten! In alten Betimmungsbüchern werden sie als Männchen und Weibchen dargestellt! Im Frühjahr sind die Schmetterlinge braunorange gefärbt, im Sommer sind sie schwarzbraun. Männchen und Weibchen kann man aber nicht unterscheiden! Die Gründe für diesen „Saison-Diphormismus“ sind bis heute nicht vollständig geklärt.

 

 

Welche Farbvariante aus den Puppen schlüpft, hängt von der Länge der Tageshelligkeit ab. Soviel wissen wir immerhin.

Die Flügelunterseite ist von zahlreichen unterschiedlich dicken Linien durchzogen,

was zu dem Namen "Landkärtchen" führte.

Die Falter sind zwar in Deutschland nicht gefährdet, aber auch nicht sehr häufig, in unserer Region eher selten. Lebensraum bieten abwechslungsreiche Landschaften mit Hecken, Gebüschen, blühende Wiesen und vor allem naturnahe Wald- und Gewässerränder, sonnige Waldwege mit einem breiten Saum an Blütenpflanzen, sind beliebt. Für die Eiablage bevorzugt werden an feuchten Stellen wachsende Brennnesseln, die Eier werden auf der Blattunterseite in kurzen Schnüren, die wie umgedrehte Türmchen aussehen, befestigt.

 

Die schwarzen Raupen haben als einzige Brennessel-Raupe zwei Dornen am Kopf. Wer im eigenen Garten etwas für die Landkärtchen und andere Falter

tun möchte, sollte an halbschattigen Standorten die Brennesseln stehen lassen. Dort können sich die Raupen und Puppen ungestört entwickeln!

 

Bilder: W.Schoen         Text: Volker Dühring

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                                                                 Lurch des Jahres 2023: Der Kleine Wasserfrosch